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Selfie mit "Mister Merlin XX"

 

Über mich …

 

Schreiben, lesen, reiten, malen und mit meinen tollen Söhnen diskutieren, das sind die Tätigkeiten, bei denen man mich antrifft, wenn ich nicht gerade einem Gerichtsprozess beiwohne, über den ich hernach für die Goslarsche Zeitung berichte.

Viele Autoren bereiteten sich mit dem Führen eines Tagebuches auf ihren späteren Beruf vor. Etwas in Worten festhalten zu wollen, ist für leidenschaftliche Schreiberlinge fast wie ein Zwang, - auch für mich.

Aber so wie mein ganzes Leben ein einziger Umweg war, so kam ich auch auf Umwegen zur Schreiberei. Ich führte kein Tagebuch, aber ich machte mir ständig Notizen zu Dingen, die ich später malen wollte. Irgendwann stellte ich fest, dass ich besser schreibe als male. Es war eine erschütternde Erkenntnis. Hin und wieder greife ich auch heute noch zu Pinsel und Bleistift, doch die segensreiche Erfindung des Computers hat das Schreiben dann doch zu meiner ersten Leidenschaft werden lassen.

 


 

1962 geboren bin ich fraglos ein Kind amerikanischer Medienberieselung, die ja in den sechziger Jahren ihren Siegeseinzug in deutsche Wohnzimmer hielt. Die fulminante Moral von Captain Kirk, den Bonanza-Jungs, Kojak, Detektiv Rockford und Co. prägte mich und damit auch meinen Aufbau von Geschichten.

 Trotz des Wissens, dass die hohe Handlungsdichte amerikanischer Produktionen oft die Gefahr von Niveaueinbußen mit sich bringt, kann ich nicht von dem hurtig-quirligen Nebeneinander von Geschehensabläufen lassen.

Auch mein Schreibtisch ist stets ein turmhohes Chaos, und ebenso übervoll sind meine geschriebenen Produkte. 

So war die Zeit, in der ich für Tageszeitungen schrieb, geradezu eine Therapie – denn hier heißt es stets: Aufs Wesentliche beschränken!!!

Meine „Opfer“, die ich interviewen sollte, haben sich sicher sehr über mich amüsiert. Ich hörte ihnen stundenlang zu und schrieb für einen kleinen zweispaltigen Tageszeitungsbericht rund zwanzig Seiten meines Blocks voll. Zu Hause gab es immer Heulen und Zähneknirschen über all die doch sooo interessanten Dinge, die ich gehört hatte und weglassen musste. Meine Arbeit als Tageszeitungsjournalistin bestand hauptsächlich aus Kürzen.

 Ähnlich ging es mir mit den Artikeln, die ich für Reitsportzeitschriften verfasste. Hier konnte ich gleich zwei Leidenschaften verbinden, nämlich das Schreiben und meine Liebe zu Pferden. Das machte es aber noch schlimmer. Mit eben dieser Leidenschaft brachte ich auch hier immer eine Fülle von Informationen nach Hause und musste hernach eine schmerzliche Auswahl treffen. Dennoch haben mir beide Tätigkeiten enorm viel Spaß gemacht und ich danke allen Redakteuren, deren Kritik es mir ermöglichte, diesen fantastischen Job als Quereinsteiger zu lernen.

Um dem leidigen Kürzen ein wenig zu entkommen, begann ich eines Tages – noch etwas konzeptlos aber genussvoll – Seite um Seite zu füllen. Während ich von witzigen Begebenheiten während eines Ausrittes schrieb , kam mir die  wahnwitzige Idee, einen Roman zu verfassen.Ich spickte den Ausritt mit einer Leiche und gebar mein erstes Buchbaby. Allerdings war dieses Baby mangels sprachlichem und dramaturgischem Niveau noch nicht lebensfähig. Meine nächsten drei Babys auch noch nicht. Es landeten zahlreiche Entwürfe und tausende von Seiten im Papierkorb meines Computers …

Doch dann kam eine neue Idee, ein verbesserter Stil und endlich ein brauchbares Buch. Nach drei Jahren Arbeit und circa 40 Korrekturlesungen gab ich bangen Herzens den Druckbefehl. Und siehe da, mein Stapel an Seiten stieß auf wohlwollende Beachtung des LEDA-Verlages (www.leda.de) in Leer und erschien im Herbst 2008 unter dem Titel „Hexenquelle“ … nachdem mich meine Lektorin Maeve Carels mit viel Geschick und ebenso viel Fachkenntnis an meine Lieblingstätigkeit brachte: Das Kürzen!

 

Vor dem Schreiben steht für jeden Autor das Lesen! 

Autoren sind süchtig nach Lesestoff. Ich auch. Weder an Buchgeschäften noch an Wühltischen mit Mängelexemplaren kann ich vorbeigehen. Sicher habe ich schon so manchen Baum in mein Bücherregal verfrachtet. Letzteres hat mich dazu bewogen, mich an E-Books auszuprobieren. Ein Reader ist eine tolle Neuerung! Und eines Tages, wenn meine malträtierten Augen noch schlechter werden, wird so etwas sicher eine Notwendigkeit. Doch zurzeit ist ein elektronisches Buch für mich, der ich mit Bleistift, tausend Notizzetteln (die ich samt und sonders irgendwo verliere) und einem Bündel von verschiedenfarbigen Textmarkern lese, nicht das Richtige.

Was lesen Autoren so?

Natürlich gibt man immer dem Genre den Vorzug, dessen man sich auch an der Feder bedient, aber das lässt einen einseitig und die Sprache stumpf werden. Elisabeth George fängt ihren Tag mit dem Lesen klassischer Literatur an, bevor sie ihre festgelegte Anzahl von Seiten schreibt. Erst danach gönnt sie es sich, zu ihrem Vergnügen zu lesen. Da ich Elisabeth George und ihren Stil sehr bewundere und meine Schreibschule aus ihrem Lehrkonzept stammt, habe ich dies übernommen. Allerdings lese ich nicht so gerne zwei Bücher parallel, deswegen folgt bei mir etwa nach drei vergnüglichen Büchern eines aus dem klassischen Segment. So konsumiere ich neben der Fachliteratur, die ich für meine Romane brauche, Klassiker, Biografien und Gegenwartsliteratur ebenso wie die Ergüsse meiner Krimiautorenkollegen oder neueste Trendbücher/Bestseller.

Ich liebe Alessandro Baricco wegen seiner feen-zarten Sprache (Bitte „Seide“ lesen!); John von Düffel wegen seines perfekten Konjunktivs („Bitte „Goethe ruft an“ lesen!); Jurek Becker wegen seiner Sätze, von denen jeder eine kleine Offenbarung ist (Bitte „Amanda Herzlos“ lesen!) und Alice Munro wegen ihrer Fähigkeit das Unspektakuläre zu zelebrieren (Bitte alles lesen – am besten in Häppchen!)

Sehr fasziniert bin ich stets von allen SI-FI Visionären, da ich die Kunst, mit Fantasie in die Zukunft zu schauen, so gar nicht beherrsche. Mit Isaak Asimovs „Ich der Roboter“, Richard Mathesons „Ich bin Legende“ und Robert Heinleins „Die grünen Hügel der Erde“ begann es. Heute kann ich von Autoren wie Andreas Eschbach („Das Jesus Video“ und „Ausgebrannt“ lesen!) und Marc Elsberg („Black Out“ lesen!!) gar nicht genug bekommen.

Da ich selbst mit der entgegengesetzten Blickrichtung, nämlich mit historischen Elementen arbeite, lese ich gern in der Historie angesiedelte Geschichten. Hier ist Ken Follet für mich ein Gott. Aber auch historische Kriminalgeschichten haben ihren festen Platz in meinem Bücherregal. Da ist Umberto Ecos „Name der Rose“ geradezu ein Muss. Doch es darf auch leichtere Kost sein. Ellis Peters „Bruder Cadfael“ liebe ich ebenso wie Peter Tremaynes „Sister Fidelma“ oder die Romane aus der viktorianischen Zeit von Anne Perry.

Ich mag’s mystisch …

Der jüngste Trend zum Übernatürlichen hat mit Joanne Rowlings wunderbarem Harry Potter begonnen und strandete dann in der weniger wunderbaren Vampirwelt von Bella und Edward – wobei mich die antifeministische und dazu noch strohdumme Bella fast zur Weißglut brachte. Sorry Mrs. Meyer …

Natürlich steht auch das Original, Bram Stokers Dracula in meinem Regal. Ein Ende dieses Genres ist nicht abzusehen - im Gegenteil. Nicht nur ich begrüße die Abkehr von der Realität und lese mich mit großem Vergnügen durch Geschichten voller Zauberinnen, Gedankenleser, Telekineten, Vampirclans und sonstig paranormalen Figuren und Ereignissen. Aber mystische Romane zählen hierzulande zum Genre Fantasy und werden stets als Jugendliteratur eingestuft – obwohl sie von allen Altersklassen gelesen werden. Ein Umstand, der der hysterischen Angst der Deutschen vor Niveauverlust und Trivialität zuzuschreiben ist. Hmmmm … war es nicht Goethe mit der Chose anfing? Ist nicht der Mephisto eine viel faszinierendere Figur als der gute Dr. Faust mit seinem Gretchen-Aussetzer?

Jüngst hat sich sogar die hoch prämierte Crime Queen Elisabeth George an einem mystischen Roman versucht.

Elisabeth George …

Schon immer stand Elizabeth George ganz oben auf meiner Liste von Lieblingsautoren. Das Tun von Inspector Lynley und Barbara Havers verfolge ich seit dem ersten Band mit stets wiederkehrender Leselust.

Die in England spielenden Krimis der Amerikanerin Elisabeth George werden als „Literarische Krimis“  und also als anspruchsvoll eingeordnet. Sie unterscheiden sich deutlich von dem üblichen 300-Seiten-Polizeikrmis, die sich in inflationärer Menge über den Buchmarkt ergießen. Die Dozentin für Creatives Schreiben arbeitet mit langen, sich nach hinten konzentrierenden Spannungsbögen. Ihre Romane sind keine Page-Runner. Ihre Plots sind komplex, es sind immer sehr raffiniert erzählte menschliche Abgründe, die zum Verbrechen führen. Elisabeth George legt stets größten Wert darauf, dass der Leser ihren Mörder versteht und die Tat nachvollziehen kann. Ihre Krimis haben zwischen 600 und 700 Seiten, eng bedruckt. Gerade ist der 18. Band  der Reihe um Scotland Yard Inspector Lynley als Hardcover erschienen.

Während sich viele andere Krimiserienhelden nach einer Zeit abnutzen, ist dieser Effekt bei der Lynley Reihe nach meinem Gefühl noch nicht aufgetreten. Dies liegt zum einen daran, dass Elisabeth George ihre Hauptprotagonisten immer wieder neu erfindet. Sie traktiert das Leben des armen Lord Lynley mit mannigfaltigen Katastrophen, auf die der Inspector mit völlig unterschiedlichen Charakterfacetten reagiert. Anfangs war die Figur des adligen Thomas Lynley ein offener, wohlerzogener, gutaussehender und vom Leben verwöhnter Mann, der eine proletarische Barbara Havers brauchte, um das Leben und Verhalten „normaler“ Menschen verstehen zu können. Lediglich ein Junkie-Bruder und dessen Neigung zur Beschaffungskriminalität befähigte Lynley, sich in die dunkle Seite des Lebens einzudenken.

Als Achter Lord of Asherton geboren verlor er erst seinen Vater, machte seine Mutter dafür verantwortlich und musste die daraus resultierende Hinwendung seines Bruders zu Drogen ertragen, dann fuhr er seinen Freund Simon St. James zum Krüppel; Lynleys erste große Liebe Deborah blieb nicht nur kinderlos, er verlor sie auch an Simon St. James. Jüngst wurde seine zweite große Liebe Helen erschossen und dies auch noch in schwangerem Zustand, woraufhin Lynley kaum noch zurechnungsfähig in nicht gerade gesellschaftsfähiger Aufmachung an der Küste Cornwalls entlang tappt – und natürlich auf eine Leiche trifft. Was ich hier etwas humorig zusammenfasse klingt nicht gerade wirklichkeitsnah, dennoch wird jede Geschichte von Elisabeth George glaubhaft und mitreißend erzählt.

Der zweite Grund, warum sich ihre Muster nicht abnutzen, liegt darin, dass sie den „Bösen“ und den „Opfern“ in ihren Romanen viel Raum gibt. Auf diese Weise sind es immer wieder neue Charaktere, die den Leser mit ihrer Lebensgeschichte fesseln.

Die hervorstechendste Eigenschaft an Elisabeth Georges „Schreibe“ ist ihre Fähigkeit, lebendige, authentische Charaktere zu schaffen. Dies gelingt ihr bereits nach wenigen Worten (– ein Umstand, den ich nie müde werde, zu bewundern und zu studieren). Sie kommt dabei zuweilen auf skurrile Beschreibungen, die einem unauslöschbar im Gedächtnis haften bleiben. Für jede Figur findet sie eigene Adjektive und eine eigene Dialogform. Ihre Barbara Havers lacht nicht, sie johlt; Anwesende werden durch dieses Geräusch zuweilen regelrecht erschreckt und brauchen einen Moment, um zu begreifen, dass Barbara Havers lacht und nicht etwa einen Kampfschrei ausstößt. Bei Lynleys gewählter Sprache, die (geschickt übersetzt) mit etwas altertümlichen Ausdrücken durchsetzt ist, glaubt man geradezu ein näselndes Upper-Class-Englisch heraus zu hören bzw. zu lesen. Während Lynley „eine Bewegung gewahrt“, „entdeckt“ Barbara Havers etwas und steuert - in weiten Jogginghosen und billiger Glitzerjeansjacke gewandet – augenblicklich darauf zu. Dass sich die beiden sich trotz ihrer Gegensätzlichkeit und zumeist völlig unterschiedlichen Ansichten nahezu ohne Worte verstehen, ist ein Faszinosum.

Die Reihe wurde sehr erfolgreich verfilmt. Die Buchfigur (groß und blond), entspricht leider so gar nicht der, des Schauspielers Nathaniel Parker, der den Lynley in der Fernsehserie gibt. Auch ist die Darstellerin der Barbara Havers, sie wird von Sharon Small verkörpert, zu attraktiv. Obwohl beide Schauspieler sehr gute und glaubhafte Darstellungen abliefern, wird der lesende Fan am Anfang ein wenig Probleme haben, sich auf die Serie einzulassen.

Sehr schade finde ich, dass den Fernsehfilmen die so überaus wichtige Figur Simon St. James und seine Frau Deborah fehlt. Der geniale Gerichtsmediziner bringt doch oft entscheidende kriminalistische Details ans Tageslicht. Auch der Umstand, dass Deborah die Tochter von St. James Butler Joseph ist, verdeutlicht auf skurrile Weise das adelshörige England, in dem die Klassenunterschiede noch immer eine große Rolle spielen – das Ganze beobachtet und erzählt von einer Amerikanerin.

Der einzige Vorwurf den man Elisabeth George vielleicht machen könnte wäre, dass es immer mehr Worte werden, die zur Lösung ihrer Fälle führen. Für mich bilden diese Wortberge keinesfalls eine Klippe, ich liebe jedes einzelne davon. Und doch, in einer Zeit in der die meisten Lektoren ihre Autoren stets ermahnen, alle überflüssigen Sätze zu streichen und doch bitte zielführender zu schreiben (um Druckkosten zu sparen, um noch mehr Druckkosten zu sparen – und um den Leser ((dem viele Lektoren nicht sonderlich viel Durchhaltevermögen zutrauen)) bei der Stange zu halten) wäre dieser Umstand vielleicht ein Fakt, an dem man Anstoß nehmen könnte.

Vielleicht hat sich Elisabeth George deswegen an eine neue Serienfigur gewagt, die man wegen der jungen Heldin und einer mystischen Komponente der Jungendliteratur zurechnet. Trotz meines deutlich erkennbaren Mangels an Jugend lese ich auch diese Bücher mit Begeisterung. In Sturmwarnung und Wetterleuchten geht es um die Flucht einer 15 Jährigen, die auf der Insel Whidbey Island im US Staat Washington endet. Hier lebt Elisabeth George übrigens.

Die junge Becca King hat ein beeindruckendes Sammelsurium an Problemen. Ein mordender Stiefvater will ihr und ihrer Mutter an’s Leder. Auf der Flucht vor dem Meuchelwütigen setzt ihre Mutter sie auf der Fähre nach Whidbey Island ab und verschwindet. Nicht nur, dass Becca auf der Flucht nunmehr mutterlos ist, sie kann zu allem Überfluss auch noch Gedanken lesen -. Eine spannende Variante, die zu dem Untertitel „Whisper Island“ führte. Für Becca „flüstern“ alle Menschen in ihrer Umgebung permanent ihre Gedanken in ihre Wahrnehmung.

Für mich ist der Stil dieser Bücher von großem Interesse, denn es ist ein anderer, als bei der Lynley Reihe. Elisabeth George benutzt hier eine verschlankte, sehr direkte, moderne aber nicht trendige Sprache. Die für Elisabeth George typischen rein deskriptiven Passagen, in denen mit Umgebungs-, Tageszeit- oder Wetterbeschreibungen eine bestimmte Stimmung hervorgerufen werden soll, findet man in der Whisper Island Reihe auch, aber in deutlich verknappter Form. All-Age-Romane, die ich gern weiterempfehle.

 

Nicci French …

Demnächst. Versprochen.

 

 

 

 

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