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Das Schreiben …

 

Oft wird man als Autor gefragt, ob sein Buch autobiografische Züge trägt und ob sich Held und Autor ähneln.

Eine Geschichte wie Hexenquelle trägt natürlich keinerlei autobiografische Züge, obwohl man als Autor stets gewisse Erfahrungen in einem Buch verarbeitet – auch Ängste und Träume.

Die Chaotin Tilla ist mir nicht ganz unähnlich, Sarah ist jedoch geradezu das Gegenteil meiner eigenen Persönlichkeit. Aber gerade das ist es, was die Schreiberei so reizvoll macht. Man kann in völlig fremde Charaktere schlüpfen, - sie studieren und letztlich auch durchleben. So ein Charakter muss entwickelt und konsequent durchgehalten werden, etwas, was einem am Anfang der Schreiberei sehr schwer fällt. Daher bevorzugen viele angehende Autoren das Schreiben aus der „Ich“-Position heraus und sparen sich so das Entwickeln mehrerer Charaktere. Auch meine ersten Schreibversuche waren aus der „Ich“-Position verfasst -, es fällt leichter, weil der Karriere als Schriftsteller nicht selten viele Jahre der Tagebuschschreiberei vorausgehen.

 Der Mörder …

Die faszinierendste Gestalt in einem Krimi ist natürlich immer der „Böse“. Es klingt zwar ein wenig morbid, aber den Mörder entwickeln wahrscheinlich alle Krimiautoren, stets sehr genussvoll.

Ein genialer und glaubhafter Mörder gelingt merkwürdigerweise am besten, wenn er etwas überzeichnet dargestellt wird.

Die Guten werden dagegen erst durch ihre kleinen Fehler sympathisch und lebendig, aber der Mörder muss so sauber und genial durchkonstruiert werden, als gelte es einen Diamanten zu schleifen. Kleinste Unregelmäßigkeiten führen zu einem Verlust der Glaubwürdigkeit, - selbst auf die Gefahr hin, zu berechenbar zu sein und Klischees zu erfüllen.

Es hört sich an, als würde man den Charakter mit Hammer und Meißel zu Leibe rücken. Ein wenig ist es auch so. Charaktere konstruieren ist Handwerk. Beim Bösen muss jedes Wort und jede Handlung aus der Letzten erwachsen. Ein glaubhafter Mörder wird von einem Autor mitsamt einer detaillierten Vita entworfen, die jedoch später eher als Leitfaden dient, als dass sie in den Plot eingeht.

 Der Held …

 Natürlich steht und fällt eine Geschichte für den Leser mit dem oder den Hauptprotagonisten. Auch ich selbst habe das Auf und Ab des Lebens erlebt und schätze die Charaktere am meisten, die schon einmal im Dreck gelegen haben, sich aufrappelten und aus dem Nichts etwas neues schafften. Sehr häufig stellt man fest, dass gerade aus schwierigsten Situationen die stärksten und interessantesten Charaktere erwachsen.

Diese Entwicklung sollte sowohl an Sarah als auch an Tilla deutlich werden. So eine Entwicklung ist natürlich im wahren Leben kaum zu finden und das Ganze bleibt eine Hypothese. Man muss seinen Leser als Autor Schritt für Schritt auf dieser Persönlichkeitsentwicklung, so wie man sie sich selbst vorstellt, mitnehmen. Verliert man ihn, wird der Held unglaubwürdig.

Gerade wenn man sich mit seinen Charakteren weit herausgelehnt – und also nicht eben an die ruhige Realität hält, die in der deutschen Literaturlandschaft bevorzugt beschrieben wird, läuft man Gefahr, dass jemand das Buch halb gelesen zuschlägt.

 Das Baby wird freigelassen …

Zwar macht man sich schon beim Schreiben Gedanken über den Leser, aber letztlich weiß man nie, wie das Buch ankommt. So ein Buch, wenn man es nach Jahren der Arbeit in der Hand hält, ist wie ein eigenes Baby, - man hat fast ein wenig Angst, es in die Welt zu lassen.

Wie werden die Leser es aufnehmen?

Finden sie es zu trivial? Zu berechenbar? Mord und Mörder zu intensiv beschrieben?

Hat man die Trends getroffen?

Und die schlimmste Frage: Ist man mit seiner Idee noch allein, wenn man nach den vielen Jahren des Schreibens, des Anbietens und der Verlagsorganisation endlich den Markt erreit hat, oder hat einen ein anderer Autor überholt und gar einen ähnlichen Plot auf den Markt gebracht?

Dann kommt das erste Feedback von Lesern, die nicht aus der Familie oder dem Freundeskreis stammen. Ist diese schlecht, bricht man geradezu zusammen und sieht einer Schreibblockade entgegen. Ist diese wohlwollend oder sogar sehr wohlwollend – so folgt auch unweigerlich eine Schreibblockade, denn man denkt: „So etwas kriege ich nie wieder hin …“

 Und besser werden …

Aber gottlob ist man der Schreiberei verfallen. Irgendwann greift man doch wieder zaghaft zum Stift und am nächsten Tag sitzt man garantiert wieder vor dem PC.

Man steht ja auch unter dem Druck, seinem Verlag alsbald einen nächsten Entwurf vorzulegen. So „Alsbald“, dass einen die Leser noch nicht vergessen haben. Denn das geht heute sehr schnell. Zum Schreiben braucht man Ruhe und vor allem Geduld. Ideen kommen nicht angeflogen, nur weil man am Schreibtisch sitzt.

Heute haben Bücher eine sehr kurze Lebensdauer. Viel kürzer als noch vor 20 Jahren. Es streben jährlich über 80.000 neue Titel in die Buchhandlungen, da wird der Aktionstisch in der Mitte der Buchhandlung immer ziemlich fix umgeräumt und das eigene Baby rutscht erst nach hinten und dann in die alphabetische Sortierung im Regal, wo es niemandem mehr ins Auge fällt.

Wenn man heute einen Krimi aus den 70ger Jahren liest, merkt man auch, wie viel höher die Latte heute liegt.

Das liegt natürlich zum Teil an den modernen Textverarbeitungsmöglichkeiten, sprich PC. Die Texte sind ausgefeilter, weil man immer und immer wieder verbessernd darüber gehen kann. Die Sprache ist komplexer aber auch regelfreier geworden. Man darf Dialekte verwenden, stark umgangssprachliche Reprisen einfügen und sich durchaus auch mal Wortneuschöpfungen versuchen.

Auch die Werte sind nicht mehr so eindeutig konturiert. Sowohl die Guten wie auch die Bösen zeigen sich in gewollten Grauzonen. Eine für Krimis sehr niveausteigernde Entwicklung, die wir den kreativen englischen Autoren zu verdanken haben.

Das bringt es mit sich, dass die heutigen Plots viel komplizierter geworden sind. Während man früher mit einem einfachen „Who-done-it“ durchaus eine Chance hatte, einen Abnehmer/Verlag zu finden, ist dies heut viel schwieriger. Kreative Serienkiller haben den einfachen Mörder der Vergangenheit abgelöst, kriminaltechnische Labors die Arbeit des Kommissars entzaubert.

Wie die Krimitrends von morgen aussehen, vermag ich auch nicht zu sagen, aber ich bin sicher, es wird auch noch morgen noch Krimis geben.

Seit der schottische Arzt Athur Conan Doyle seinen Sherlock Holmes ins Rennen um die Lesergunst schickte, sind nunmehr weit über 100 Jahre vergangen und in dieser Zeit ist eigentlich alles schon einmal irgendwie geschrieben worden.

Frei nach dem Motto „Die Mischung macht's" habe ich beschlossen, meine Mörder mit meiner Liebe zur Natur, meiner  Harzer Heimat, und deren berüchtigten Bewohnern zu kombinieren … Harzer Hexen

 

 

 

             

 

 

 

    

 

 

 

 

 

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